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Verstehen Sie mich bitte recht, von Claudio Magris

Es ist eine alte literarische Tradition, historische Figuren in Gedankenspielen neu zu interpretieren. Claudio Magris hat den uralten Mythos neu erfunden. Eurydike ist es, die tot geglaubte, die den Hergang des Dramas aus ihrer Sicht in einem temperamentvollen, einfühlsamen Monolog schildert. Wir erfahren von  dort wo die Zeit aufgehoben ist, aus dem „Heim“ wie sie es nennt, was sie über die große Liebe ihres Lebens und ihr Dasein im Heim, „der Residenz auf der anderen Seite des Spiegels“ zu sagen hat. Diese neue Perspektive ist durchaus überraschend. Der Autor schreibt die eindrucksvolle Geschichte  in einer ganz neuzeitlichen Version. Seine Erzählung bewegt sich zwischen Leichtigkeit und Tragik, zwischen dem Alltag eines ganz gewöhnlichen Ehelebens und dem großem Drama des Daseins.

Sie erinnern sich… Orpheus war ein Musensohn, und seine Musik und sein Gesang verzauberte alles und jeden. Seine geliebte Frau war Eurydike, die an einer Vergiftung durch einen Schlangenbiss früh sterben musste. Orpheus gelang es, durch seinen Gesang den Hüter der Unterwelt, Hades, zu bewegen. Er erreichte, was nie zuvor einem Menschen gelungen war, ins Reich der Toten zu gelangen um seine Frau Eurydike zurück ins Leben zu holen. Eine strenge Bedingung sollte dabei erfüllt werden, Orpheus durfte Eurydike auf dem Weg zurück ins Leben nicht ansehen. Er stieg hinab, doch – so will es die Überlieferung – konnte er der Versuchung nicht widerstehen.  Sein Wagnis scheiterte durch eigene Schuld.
Orpheus kehrte zurück ins Leben, doch seine Lieder und sein Ruhm blieben unvergessen.
Soweit die Legende, überliefert und immer wieder neu erzählt aus alter Zeit.Doch nun erfahren wir, was sich aus Eurydikes Sicht in Wahrheit zugetragen hat…

Claudio Magris, 1939 in Triest geboren, studierte Germanistik in Turin und Freiburg. Von 1978 bis zu seiner Emeritierung 2006 war er Professor für Deutsche Sprache und Literatur in Triest. Der Monolog der Eurydike „Verstehen Sie mich bitte recht“ , ist zunächst in Italien unter dem Titel „Lei dunque capirà“ erschienen, bevor es im Hanser Verlag, übersetzt von Ragni Maria Gschwend, 2009 in deutscher Sprache herausgegeben wurde.

Es liest für Sie: Sibylle Bertsch